Irgendwann in der Nacht wurde ich wach und spürte wieder meine Blase. Sch..., geht das schon wieder los? Ich rief nach der Nachtschwester. Es erschien die gleiche Schwester wie vor zwei Tagen. Sie ist zwar sehr robust in ihrem Vorgehen, aber hat auch das Herz auf dem rechten Fleck und stammt - ich vermute mal - aus dem benachbarten Duisburg). Nun eben diese kam und ich schilderte ihr mein Problem und wie es bereits einmal gelöst worden war. Auch sie führte dieselbe Prozedur erfolgreich durch. Erstmal in Ruhe weiterschlafen. Aber dieses wiederholte Problem muß ich heute bei Frau Dr. Krege ansprechen. Irgendwie ist der Tagesablauf etwas durcheinander heute. Statt dem Waschen steht plötzlich das Frühstück auf dem Tisch. Bei mir 3 Zwiebäcke und Pfefferminztee. Also Leute, das kann nun wirklich langsam nicht mehr angehen. Ich liess die Zwiebäcke als Beweismittel liegen und machte mich über meine 3 Brausetabletten (eine zum Schleimlösen: schmeckt lecker, zwei zur Kaliumergänzung: bäh) her. Als ich mich über den Pfefferminztee beschwerte, gab ich an schwarzen Tee zu wollen und erhielt schwarzen - Kaffee. Und dann bekam ich ein Frühstück vom Feinsten mit Brötchen, Marmelade und Käse. Die anderen beiden wurden erst nach dem Frühstück gewaschen. Na ja, was will mal bei einer Personaldecke von 2 3/4 Personen an diesem Morgen sonst zaubern? Noch während ich am Frühstücken war, wurde ich von der Schwesternschülerin informiert, dass sie mich jetzt zur urologischen Ambulanz runterfahren würde. Ich bat hinterher zuende frühstücken zu dürfen. Unterwegs erzählte sie mir, dass sie beim Verbandwechsel zuschauen solle und ich berichtete - während wir in dem leeren, kalten Gang auf Frau Dr. Krege warteten - über mein bisheriges berufliches Leben. Diese kam nach knapp 10 Minuten. Ich wußte, dass sie es sein mußte, als ich den forschen Schritt hinter mir hörte. Ich stieg diesmal ohne Hilfe auf den Stuhl und berichtete von meiner Angst und deutete dabei auch auf die kleinen Blutsprenkel auf dem Laken meines Bettes. Die Ärztin blieb ganz locker und meinte, das komme sicher von dem verbliebenen Wundkatheter. Nach der Abnahme des Verbandes fügte sie hinzu, dass das alles sehr gut aussähe. Mir fiel eine ganze LKW-Ladung Steine vom Herzen. Dann wurde die ganze Op-Region einer gründlichen Reinigung unterzogen. Weh tat nur die rechte Schamlippe, in der sich noch der Blasenkatheter befindet. Und dann machte sich Frau Dr. Krege nach Ankündigung an den Platzhalter. Sie zog zweimal mit einer Spritze die Luft aus ihm heraus und zog dann vorsichtig an ihm. Da ich nicht ständig mit nach vorn gebeugtem Kopf liegen konnte, ließ ich mich ins Kissen fallen und schloß die Augen. Ich spürte ein leichtes Ziehen und dann hörte ich Frau Dr. Krege sagen: So, der ist draußen. Wie, ich habe doch gar nichts gemerkt. Dann durfte ich mir die neuen Geschlechtsorgane mit dem Spiegel in Ruhe ansehen. Im Gegensatz von vor zwei Tagen nahm ich sie diesmal als die meinigen an. Eine niedliche Klitoris, schön geformte äußere Schamlippen und eine Vagina, mit der ich (allein für sich gesehen) problemlos als Frau durchgehen würde. Als nächstes wurde mir gesagt, das Spekulum würde jetzt etwa unangenehm werden. Ach Du meine Güte, an so etwas habe ich bei meiner "Frauwerdung" im Leben nicht gedacht. Aber stimmt schon, auch das gehört dazu. Daraufhin setzte Frau Dr. Krege es an und spreizte den Eingang zur Vagina ein wenig. Mir gab sie einen Löffel, mit dem ich die Vaginaöffnung nach oben (und hinten) erweitern sollte. Dann sah Frau Dr. Krege hinein und forderte die Schwesternschülerin auf, ebenfalls mal zu schauen. Dabei erläuterte sie, dass die Vagina eine schöne Tiefe habe. Dann hat sie den Platzhalter gereinigt und etwas (mehr als vorher) aufgeblasen. Und dann meinte sie, sie würde ihn jetzt wieder einführen. Und auch davon bekam ich nur kurz etwas mit. Dann wurde ich wieder verbunden (die Zellstoffbahnen nur anliegend, die Haltepflasterbahnen auf Spannung). Beim Zurückfahren zur Station schwärmte ich von dem Kunstwerk, das ich da eben gesehen habe. Mit Isabel habe ich heute zweimal telefoniert. Das erste Mal am Morgen beim Frühstück. Ich konnte ihr meine Bedrückung nicht mehr verheimlichen und habe ihr von meinen Ängsten erzählt. Sie war froh, dass es nichts zwischen uns beiden sei. Wie sollte es ... Aber da sind wir beide in etwa gleich: Erst mal die Schuld bei sich selber suchen. Beim zweiten Anruf am Nachmittag waren wir beide wieder gut drauf und freuten uns auf das Wiedersehen am morgigen Sonntag.
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