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    Samstag, 14. Januar 2012
     
     
    Auf Safari mit Barney
     

    Um 6.50 Uhr klingelte der Wecker, weil wir eine eintägige Exkursion zu den Black River Falls und zur Rumfabrik Appleton gebucht hatten. Nach dem Frühstück im Selbstbedienungsrestaurant Palms wurden wir pünktlich in der Lobby zusammen mit einem anderen Paar abgeholt. Mit uns war der Bus voll und Isa und ich mußten hintereinander sitzen. Unser Reiseleiter stellte sich als Barney vor. Während unserer gesamten Tour moderierte er und spielte uns von CD diverse Songs seiner Kollektion zu den jeweiligen Themen vor. Ich hielt ihn erst für einen Thüringer. Dann gab er aber preis, dass er vor 35 Jahren aus Ost-Berlin nach Jamaika gekommen war, also 1977!

    Wir halten als erstes am Haus von Peter Tosh, einem Bandmitglied der Band Bob Marley and the Wailers. An Zugang zu seinem Grundstück ist sein Motto zu lesen: Legalize it. Außer dem Grab von ihm sowie seiner Angehörigen gibt es einen Souvenirstand, an dem man Musik und "Tüten" kaufen kann, was wir aber gelassen haben. Außerdem konnte ich dort die bizarr gezackten Pflänzchen in natura sehen. Später meinte er über deutschen Reggae, dass nur der Reggae spielen kann, "der in der Mülltonne geboren wurde."

    Nächster Halt war am Black River. Auf Mücken- und Sonnenschutz kann getrost verzichtet werden, so Barney. Auf einer Farm waren die Reisebusse sauber nebeneinander geparkt. Wir gingen an Bord eines Bootes, auf dem der Kapitän dem Reiseleiter die Besonderheiten auf der Tour erklärte. Trotz mehrfachen Nachfragens erhielten wir vom Kapitän keine Antworten. Dazu war er sich sicher zu schade. Wir sahen 2 Krokodile, wobei Isabel eine der Handtaschen in spe als erste entdeckte. Der Jesus-Vogel (der wohl, wie vor 2000 Jahren schon mal jemand, auch wußte, wo die Stepstones im Wasser liegen) blieb für uns unsichtbar. Da die Sonne schräg auf das Boot schien, saßen wir 30 Minuten in der prallen Sonne. Und Mückenstiche haben wir als Souvenir von dort mitgenommen.

    Wenige Minuten später erreichten wir den Ort, wo wir Mittagessen würden. Das "Restaurant" war auf Bustouristen spezialisiert: Lange Tischreihen und konfektionierte Speisen zeugen davon. Es gab Gulasch und Hähnchenteile, dazu Wasser und Orangensaft (gut, dass uns das gesagt wurde, denn die Lebensmittelchemie ist in Jamaika noch nicht so weit entwickelt wie bei uns). Wir haben damit den gröbsten Hunger stillen können.

    45 Minuten später an den YS-Wasserfällen (der Name stammt von den ersten Eigentümern 1684: John Yates und Lt. Col. Richard Scott) angekommen, fahren wir mit einem farmeigenen Traktor gezogenen Zubringerdienst zu den Wasserfällen. Dort wollte Barney an der Abfahrtstation auf uns warten, während wir in den unteren Ebenen der Wasserfälle baden könnten, die oberen seien wohl geschlossen. Wir wanderten zu den oberen geöffneten Ebenen und ich genoß das erfrischende Nass. Eine Einheimische neben mir war ebenso erstaunt über den unangenehm kieseligen Untergrund. Ich kam mit einem Paar in Baden ins Gespräch über Alkoholika. Am Ufer meinte Isabel zu ihnen, daß ihr Barneys Äußerungen zu den Muslemen (wir in Deutschland würden es ja allen Recht machen, hier in Jamaika wird es keine Moscheen geben) nicht gut, sondern eher rassistisch fanden. Später hörten wir eben dieses Ehepaar mit Barney darüber reden ...

    Weiter ging es zur Rumfabrik. Nicht alle Produktionsorte rochen gut. Unangenehm waren der Hefe-, Malz- und der Gärungsgeruch. Im Lager-/Reifehaus atmeten die Fässer Alkohol und wir atmeten mit. Bei der Verkostung sagte Isabel zu ihm, daß sie keinen Alkohol trinken dürfe. Dafür verkostete ich mit. Zuerst den Overproof (weiß, 68%, sprittig), den 3jährigen (braun, 40%, auch sprittig) und den V/X (= 5- und 10jährigen, 40%, trinkbar). Die Mixgetränke interessierten weder mich noch unsere Mitreisenden. Wir fragten unseren Reiseleiter, nachdem wir den 15jährigen nirgends in den Regalen sehen konnten, wo wir den herbekommen. Null schnall, halt ein Mann. Wir erstanden 2 Flaschen für Schwiegerpapa und für meine Trauzeugin und gingen zu den anderen zu unserem Bus.

    Auf der Rücktour hielt wir in der Bambusallee zum Fotos schießen und bei einer vom Reiseleitergeringschätzig Big Mama genannten, kräftig gebauten Verkäuferin am Straßenrand. Viele kauften Obst und Krabben zum Sofortessen. Isabel durfte dort auf die Toilette gehen.

    Dann ging es heimwärts. Bei Barneys recht schwerem Quiz hatten wir keine Antwort gewußt und so freuten wir uns auf unser Hotel. Die Preise gab ein auf der Vorfahrt von unserem Hotel im Bus. Für die Verlierer gabe es kleine Rumflaschen. Isabel lehnte genervt ab, weil sie keinen Alkohol trinken darf. Dann könne sie ihre Flasche ja jemandem geben, der Rum mag. Aus Prinzip lehnte sie wiederum ab und erwähnte zweimal, dass sie Hunger habe. Doch Barney ließ sich nicht beirren und öffnete erst, nachdem alle ihre Rumflaschen in Empfang genommen hatten, die Bustüren. Dann versuchte er noch Isabel mit seiner Hand väterlich zu beruhigen. Das hätte er besser nicht tun sollen. Wir verließen fluchend den Bus und auch die Gäste der anderen Hotels, die für Barney Partei ergriffen, interessierten uns nicht mehr.

    Fazit: Die Tour war wirklich sehenswert, nur die alle Tourismusregeln brechende Tourbegleitung hat uns den Gesamteindruck verhagelt.