Mittags habe ich unter Zeugen den Zeltversand angerufen und das Zelt reklamiert. Auf dem Treffen sollte es am frühen Nachmittag (gleich nach den Wettkämpfen) auch eine Modenschau (Vorführung von mittelalterlichen und Fantasykostümen) geben. Die Freundin, mit der ich das Zimmer teilte, hatte mir für dieses Fest der Fantasy ein Kleid nach meinen Wünschen geschneidert: Kleid mit langem Arm, an der Taille eng anliegend, vorne 10 cm über dem Fuß endend, hinten mit kleiner Schleppe (20 cm). Der Stoff (lila) war so dünn, daß ich mir in der Woche zuvor noch ein Unterkleid holen mußte, um den Leuten nicht zu tiefe Einblicke in meine Anatomie zu geben. ;-) An einem Haarreif - den wir schnell noch unten im Dorf gekauft hatten - hatten wir ein lila Taschentuch mit silbernen Sternen befestigt und damit einen Gesichtsschleier geschaffen. Bei meiner Nagelmodellistin hatte ich mir vor dem Fest die Fingernägel lila lackieren lassen, damit die Fingernägel farblich zum Kleid passen. Der Lack schimmerte in der Sonne sogar ein bißchen pinkfarben.
 |
| Ich wurde mehrfach von anderen Frauen angesprochen, wie toll der Lack aussähe. Auch die Fingernägel wurden bestaunt und ich wurde immer wieder gefragt, ob die echt seien. Ich muß dazu sagen, daß die Nägel zur Zeit 10 mm lang sind. Ich muß aber auch zugeben, daß einer von ihnen eine künstliche Spitze trägt, weil er zwei Wochen vor dem Treffen seinen Geist aufgegeben hatte. Als meine Schneiderin von der Modenschau am Montag hörte, meinte sie zu der
Verantwortlichen, daß sie dafür sorgen werde, daß ich daran teilnehme. Ich begann mich eine Stunde vorher zurechtzumachen - zu wenig Zeit, wie ich feststellen mußte. Und nun war es soweit: Ich war ziemlich aufgeregt, als ich raus in den Burghof mußte (der als Laufsteg diente). | |
Der Applaus der Zuschauer war aber so überwältigend, daß ich mich wie im siebten Himmel fühlte. Außerdem hatte der Conferencier auch noch ein paar nette Worte über das Kleid vorgetragen, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Das Kleid wurde sogar in der abendlichen "Feststimme", die jeden Tag über die Ereignisse der letzten 24 Stunden und über die Termine der nächsten Tage berichtet, erwähnt. Im Anschluß an die Modenschau, die ungefähr eine Stunde dauerte, gab es im Burggarten auf Drängen der Fotografen unter uns noch einen Fototermin. Ich hoffe, bald Fotos präsentieren zu können. Abends, als es draußen etwas kühler geworden war, wollten wir das unglückselige Zelt abbauen. Aus praktischen Erwägungen heraus zog ich eine Hose an für diese Arbeit. Überhaupt zum Thema Hosen: Ich finde es voll daneben, daß wir Frauen uns, wenn es was zu tun gab, immer allein wiederfanden. Waren dann aber einmal Männer da, dann mußten wir sie mit der Nase auf die Arbeit stoßen, damit etwas passiert. |