Am Morgen fuhr ich noch für meine Mutter zum Supermarkt und besuchte dann meine Kosmetikerin. Sie begrüßte mich wie immer: Hallo, Frau Knorr, geben Sie schon mal nach hinten und machen sich frei. Ich legte mich auf die Behandlungscouch und nach eineinhalb Stunden ratsch - aua - ratsch - aua war der Pelz, der leider meinen Körper verunziert, mal wieder bekämpft. Obwohl es diesmal gar nicht so schlimm war, denn bei regelmäßiger Behandlung (so alle 4 Wochen, zumindest den Sommer über) tut es selbst in meinen Problemzonen (Oberschenkeninnenseiten,
Achseln und Dekolleté) nicht mehr allzu sehr weh. Nach dem Mittagessen fuhr ich mit meinem Wagen dann zum Fest nach Nordhessen. Ich hatte mir wegen der Temperaturen ein schlichtes schwarzes Trägerkleid und meine Riemchensandaletten angezogen. Noch ein paar Ohrhänger mit Libellen und los gings. Die Fahrt war ereignislos, weil durchgehend Autobahn. An der Burg angekommen, wurde ich bereits von der Parkplatzwache mit einem fröhlichen Hallo begrüßt. Wegen des vielen Gepäcks (2 Reisetaschen, Nähmaschine, kleiner Teppich, Fell) durfte ich bis an die Burg heranfahren. Weil es fast Zeit für das Abendessen war, ging ist gleich zur Anmeldung. Während ich dort mit anderen wartete, bis ich dran war, sprach mich einer (ich glaube, er arbeitet sonst als Fernfahrer) an, daß ich mich verändert hatte. Er meinte meine Oberweite, die sich unter dem Kleid deutlich abzeichnete. (Zugegeben, sie ist noch nicht echt, aber seit dem vergangenen Winter trage ich die Prothesen regelmäßig, um meine Umgebung an den Anblick zu gewöhnen) Ich stimmte ihm zu und klärte ihn darüber auf, daß ich auch meinen Vornamen geändert habe. Er umarmte mich anerkennend, so wie mir das auf dem Fest noch mehrfach passieren sollte. Als ich an der Reihe war mit anmelden, nannte ich meinen Namen und bekam anstandslos meine Essenskarte, auf der ich sofort meinen Namen eintragen sollte. Dieser Namenszug hat bei den Mahlzeiten in den nächsten Tagen oft mehr für Klärung gesorgt als ellenlange Erläuterungen. Nun war Essenszeit und ich mußte mich, ohne mich noch umziehen zu können, unter die anderen - zum Teil bereits gewandeten - Festteilnehmer mischen. Gewandet bedeutet das Tragen kulturtypischer Kleidung (so tragen die Wali, die die Wikinger nachleben, meist braune, derbe Stoff- oder Lederkleidung, die Wasservölkler blaue leichte Kleidung und die Qun, zu denen ich gehöre und die ein nomadisches Steppenvolk darstellen, bunte und glitzernde Kleider und weite Hemden und Pumphosen). Mit meinem Straßenkleid fühlte ich mich etwas deplaziert, wie damals in Mülheim, wo ich im Kleid an der Einweihung einer Eckkneipe teilnahm :-)) Nach dem Essen half mir eine nette Freundin beim Entladen meines Wagens. In dem Zimmer, das mir zugewiesen worden war, warteten
bereits Heike aus Wuppertal (die Urheberin meines neuen Kleides) und ihre Freundin aus Frankfurt, die ich bisher nur vom Telefon her kannte. Wir begrüßten uns herzlich und saßen bis 2 Uhr zusammen und redeten über Gott und die Welt.
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