Ein Friseurbesuch war überfällig. Nicht nur, dass die Haare schon einen Tag nach der Wäsche machten, was sie wollten. Auch an der Farbe wollte ich schnellstmöglich etwas ändern, nachdem Kathrin, eine gute Freundin, mir von blond abgeraten hatte. Ihr Tip ging in Richtung asymmetrischer Schnitt, eine dunklere Haarfarbe und Strähnchen, die nicht blond sein sollten. Da ich es vor meiner Dienstreise nicht mehr geschafft hatte, wollte ich in Görlitz zum Friseur gehen. Gleich an einem der ersten Abende hatte ich in einem Salon eine Neueröffnung gesehen. Nachdem ich den Laden am Tage wiedergefunden hatte, holte ich mir dort einen Termin. Heute um 17.00 Uhr würde sich Conny um mich kümmern. Ich traf pünktlich ein und musste auch nicht lange warten, bis Conny - eine Haarkünstlerin um die 45 - mich zu meinen Vorstellungen befragte. Ich erklärte es ihr und dachte dabei so an ein dunkleres Braun mit roten Strähnchen. Ich bekam ein Fotobuch, in dem ich mich zum Thema Frisur inspirieren lassen sollte. Ich konnte mich zwischen zwei Frisuren nicht wirklich entscheiden: die eine etwas lockig fallend mit einer Welle vor der Stirn, die andere glatt und fransig ins Gesicht fallend. Wir entschlossen uns in Anbetracht meiner Geheimratsecken zu einer Mischung aus beidem. Conny trug die Farbe auf, brachte mir einen Kaffee und gab mir Wärme auf den Kopf. Als sie die Farbe nach der Einwirkzeit gewaschen hatte, war ich doch ziemlich überrascht: Mir leuchteten knallrote Strähnen von einem recht dunklen Haupt. Da ich von meiner Heimatfriseurin sanftere Farbnuancen gewöhnt war, erst mal ein kleiner Schock. Ich kam aber schnell zu der Einsicht: Warum eigentlich nicht? Ich bin weder alt noch will ich übermäßig brav sein. Schnell fanden wir heraus, welches meine Scheitelseite ist. Die Frisur sah nachher richtig gut aus. Stolz ging ich ins Hotel und fragte mich, was meine Liebste beim abendlichen Videocall dazu sagen würde. Sie stellte am nächsten Abend (an diesem Abend telefonierten wir ganz herkömmlich) nur fest, dass ich beim Friseur war.
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