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    Montag, 27. September 2010
     
     
    Das Bewerbungsgespräch
     

    Zu 15 Uhr war ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Ich fand es schon beachtlich, dass die aus Görlitz extra deswegen nach Hamburg kamen. Nun war ich durchgestylt (ich benutze sonst fast nie Lippenstift und Mascara) auf dem Weg zur Firma.

    Als ich dort ankam, wurde ich freundlich begrüßt, eigentlich wie immer. Niemand schien von meinem Outfit Kenntnis zu nehmen. Der Kollegenkreis scheint in der Wahrnehmung doch oberflächlicher zu sein als ich immer annahm. Nur mein direkter Vorgesetzter, den ich bereits in meine Stellenbewerbung eingeweiht hatte, lächelte anerkennend.

    An der Zentrale fragte ich Marianna, ob ich hinter ihr in einem der Ledersessel Platznehmen dürfte, bis das Bewerbungsgespräch beginnt. Sie bejahte etwas verdutzt und fragte kurz danach bei mir vorsichtig nach, ob die Veränderung von mir ausginge oder nicht. Klar war die Initiative von mir ausgegangen.

    Nach ein paar Minuten kam die Katja um die Ecke und begrüßte mich freundlich. Wir gingen in den Konferenzraum Elbe, wie in der Mail angekündigt. Dort wartete ein Kollege von ihr. Ich schätze beide auf höchstens 30 Jahre. Ich nahm beiden gegenüber Platz. Bei dem, was dann folgte, mußte ich innerlich schmunzeln. Es waren die typischen stereotypen Fragen, wie ich sie mit Frau Wimmer einige Male eingeübt hatte: Warum ich mich für geeignet für die Position halte, welches meine größten Stärken und meine größten Schwächen sind, welche Fragen ich habe usw. Nur die Frage nach den Unternehmenswerten brachte mich ins Schwimmen. Ich kannte das Kunstwort, das als Eselsbrücke diente, konnte aber nur 3 Werte reproduzieren.

    Dann erfuhr ich, dass die beiden sowieso wegen einer anderen Anlegenheit in Hamburg seien (also nicht nur meinetwegen) und es noch weitere Gespräche in Dortmund gäbe. Ich gebe zu, ich hatte bislang keinen Gedanken an mögliche Mitbewerber verschwendet. Aber nach diesen Äußerungen schwand meine Überlegenheit (oder war es Überheblichkeit?) doch sehr schnell und ich gelangte zu der Einstellung, dass es sein kann, dass ich nicht genommen werde, es aber wenigstens versucht habe.

    Dann kam noch ein schriftlicher Test zu Datenbanksystemen und Excel-Funktionen, mit dem mich die beiden im Konferenzraum allein ließen. Als ich fertig war, winkte ich im Flur nach Katja und abschließend wurde mir gesagt, dass die Stelle bereits zu Mitte November besetzt werden soll und ich in Kürze Nachricht erhalten würde, ob ich genommen worden sei.

    Ich verabschiedete mich und ging in unser Callcenter. Als ich an meinem Platz ankam, merkte ich, dass ich durchgeschwitzt war. War nicht ohne, dieses Bewerbungsgespräch. Ich berichtete kurz meinem Vorgesetzten, las meine Mails und fuhr dann wieder nach Hause. Von unterwegs berichtete ich natürlich gleich meiner Verlobten, wie es gelaufen war.