Heute früh legte die MS Astoria in Klaipeda (Litauen) an. Da hier wieder individuelle Landgänge möglich waren und meine Mutter keine Lust hatte mitzukommen, schnappte ich mir meinen Rucksack und ging von Bord. Unten am Kai fragte mich ein Taxifahrer, ob er mich in die Stadt bringen könne. Ich nickte und er nannte 5 Euro als Preis. Ich ließ mich von ihm in die Altstadt fahren. Abschließend gab er mir noch seine Handynummer, damit ich ihn anrufen könne, wenn ich zurück zum Schiff gefahren werden wollte. Ich sah mir die Stadt an. Sie machte auf mich den Eindruck, als ob man durch eine westliche Stadt geht. Viele Geschäfte mit reichhaltigem Angebot, ein recht modernes Kinocenter, überall Kioske und schick gekleidete junge Frauen. Letztere trugen fast alle Miniröcke und -kleider, was angesichts der kühlen Temperaturen und der wild gemusterten Feinkniestrümpfe nicht immer ein schöner Anblick war. Das einzige, was noch an sozialistische Zeiten erinnerte, waren die Banken (hoher Tresen und ganz aus dunklem lackierten Holz). In einer dieser Banken wechselte ich Euro gegen Litai, da ich mir nicht vorstellen konnte, daß man hier überall Euro akzeptieren würde (womit ich recht behalten sollte). Auf dem Markt kaufte ich für meine Mutter löslichen Kaffee (der Kaffee an Bord war dünner als der Fruchtsaft, der an der Bar als Tequila Sunrise angeboten wurde) und Einmalrasierer für mich (Frau will ja zur Gala Rock tragen!). Ich wollte mich auf den Rückweg zum Schiff begeben, da rief jemand aus einer Kneipe plötzlich meinen Namen. Meine Mutter hatte sich doch noch mit einer 80jährigen von Bord gemacht und stand jetzt ratlos in der Kneipe. Die beiden wollten so gerne einen Wodka trinken, hatten aber nur Euro bei sich. Ich bot an, beiden den Wodka auszugeben. So unterhielten wir uns mittags um 12 Uhr in einer Kneipe in Klaipeda beim Wodka. Die ältere Dame stammte aus der Gegend um Koblenz und fragte irgendwann meine Mutter, wieviele Kinder sie habe: Da sei mein Bruder, ich und die Tochter, von der sie laufend erzählte. Wir klärten sie auf, daß ich die Tochter sei. "Isch hä da kei Problem met", meinte sie nur und erzählte weiter von zuhause. Der Wodka machte sich allmählich bemerkbar und ich wollte nun doch zurück an Bord, um etwas zu essen. Also rief ich den Taxifahrer an, der jedoch gerade in einer anderen Stadt war, die Tour daher ablehnen mußte. Aus den Augenwinkeln sah ich ein Taxi, lief zu ihm und fragte auf englisch, ob er uns zum Schiff bringen könnte. Er sagte zu, ohne wohl auch nur ansatzweise begriffen zu haben, wo er eigentlich hinsollte. Ich bedeutete ihm, in die Seitenstraße zu fahren, wo meine Mutter und die ältere Dame warteten. Dann zeigte ich ihm meine Bordkarte, auf der der Name des Schiffes stand. Er antwortete "Hotel Astoria". "Nein. Ship in the harbour." Kopfschütteln. Schließlich stiegen wir beide aus und gingen zu einer Blumenverkäuferin auf dem Marktplatz. Die sprach etwas deutsch, verstand und übersetzte dem Taxifahrer, wo wir hinwollten. Wir kamen bis zum Hafengebiet, wo ich an der Absperrschnur 10 Litai bezahlen mußte, weil unser Taxifahrer keine Hafenberechtigung hatte. Als er dann das Schiff sah, staunte er nicht schlecht. Ich denke, das wird er sich gemerkt haben. Abends hatte ich dann noch einen Termin bei der Kosmetikerin. Der Nagellack, den ich mir vor der Reise bei meiner Nagelmodellistin habe auftragen lassen (beige mit lila und rosa Schimmer), begann sich zun lösen (das wird die Nagelmodellistin wohl gar nicht gerne hören). Also habe ich mir einen ähnlichen auftragen lassen. Doch das wurde schnell zur Nebensache. Bald haben Grazyna (so hieß die Kosmetikerin, die ein wenig an Cher erinnert) und ich uns über alle möglichen Themen unterhalten - von Kleidung über Sinn und Zweck von Männern bis zu Wellness. Und da meinte sie zu mir, ob ich mir nicht mal etwas Gutes tun möchte und eine entspannende Gesichtsmassage genießen möchte. Da ich mich an Galaabenden ein zweites Mal schminken mußte, begann man es meiner Gesichtshaut langsam anzusehen, daß sie der Prozedur müde wurde. Ich dachte, daß ich mir sonst sicher nie für soetwas Zeit nehmen würde und ließ mir einen Termin geben.
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