Als wir in den Hafen von Kaliningrad (früher Königsberg) einliefen, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: Unser Schiff legte mitten im Industriegebiet gleich neben einem Ladekran an. Dann kamen 6 russische Uniformierte (meist Frauen) an Bord und richteten an der Ausgangsluke mit zwei Tischen ihre Kontrollstelle ein. Jeder, der von Bord ging, mußte sich von ihnen mustern lassen und den Paß vorzeigen. Und unten an der Gangway stand eine weitere Uniformierte mit 8 cm Pfennigabsätzen und behielt das Schiff im Blick. HIER hatten wir keinen Landgang gebucht, erst in St. Petersburg würde ich die Kontrollprozedur über mich ergehen lassen müssen (wer in Kaliningrad keine Tour gebucht hatte, wurde nicht einmal von Bord gelassen). Auf jeden Fall fand ich die Atmosphäre in diesem Hafen doch ziemlich unheimlich. Hier war die DDR noch lebendig. Da es hier aber im Gegensatz zu Danzig nicht regnete, sondern sich manchmal sogar die Sonne zeigte, ging ich in die Kabine, zog meinen Badeanzug unter meine Kleidung, schnappte mir ein Handtuch und ging zum Außenpool. Dort gab es außer einer Toilette eine Umkleidekabine, eine Warmwasserdusche und Garderobenhaken. Und das einmal für Herren und für Damen. So brauchte ich mir keine Sorgen zu machen, daß mir - anders als am Terminal in Bremerhaven - plötzlich ein Mann über den Weg läuft. Also hängte ich meine Kleidung auf und ging wieder hinaus zum Pool. Die ersten Minuten störte es mich schon ein wenig, wie mir einige Blicke auf dem Weg ins auf 31 Grad aufgeheizte Ostseewasser folgten. Aber dann schwand das Interesse meiner Umgebung an mir wieder und ich konnte in Ruhe meine Runden drehen. Als ich wieder aus dem Wasser kam, gab es erneut neugierige Blicke, bis mir meine Mutter mein Handtuch zum Abtrocknen gab, mit dem ich dann in der Umkleide verschwand, um mich anzuziehen. Nun ja, die Leutchen an Bord haben in ihren Leben sicher schon viel erlebt, nur haben sie wahrscheinlich nicht gelernt zu fragen, wenn sie etwas nicht verstehen.
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