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    Freitag, 30. Mai 2008
     
     
    Das AC
     

    Ich warf mich in Schale (Kostüm mit weisser Bluse) und fuhr zur Firma. An der U-Bahnstation nahe des Arbeitsplatzes traf ich eine Kollegin aus der Zentrale, die auch mal in unserem Projekt tätig war sowie einen Teamleiter. Er gab an, nur zur Beruhigung mitzukommen, weil die Kollegin genauso nervös war wie ich. Im Besprechungsraum in der 3. Etage trafen wir auf die übrigen Bewerber. Wir waren 9 Personen, von denen ich 7 aus unserem Projekt kannte. Zwei davon waren Vorgesetzte von mir. Das kann ja was werden ...

    Der Wissenstest betraf die Allgemeinbildung und war mit 160 Fragen ziemlich umfangreich. In 60 Minuten sollte man die ziemlich kniffligen Fragen im Multiple Choice Verfahren beantworten. Entweder wußte ich die Antwort oder ich habe geraten. Deshalb habe ich mich nie lange mit einer Frage beschäftigt. So kam es, dass ich als erste fertig war.

    Nach einer 5minütigen Pause folgte die Organisationsübung. Sie nannte sich Postkorbübung. Ich breitete die Briefe, die ich bearbeiten sollte vor mir aus und bedeckte damit den ganzen Tisch (ob das was wird?). Stück für Stück bearbeitete ich sie und formulierte Antwortschreiben. Zettel um Zettel verschwand auf dem Stapel "erledigt" oder dem Stapel "Erledigungsrallye durch die Stadt". Am Ende hatte ich den Schreibtisch wieder frei. Nur bei der Rallye wollte der Arztbesuch einfach nicht mehr passen. Son Mist.

    Dann wurden belegte Brötchen aufgetischt. Zögerlich griff der eine oder andere zu, bis der Assessment-Leiter dazu aufforderte. So richtig Hunger hatte ich bei Temperaturen um die 30 Grad irgendwie nicht.

    Nach einer halben Stunde Mittagspause ging es weiter mit dem Mitarbeitergespräch. Ein fiktiver Kollege sollte interviewt werden, warum er pünktlich zum Feierabend "den Bleistift fallen läßt". Dieser Kollege wurde von einem Kollegen gespielt, den ich kannte. War ne verrückte Situation. Zu meinem Glück verstrickte er sich während des Gesprächs in einen Widerspruch, den ich mir zunutze machen konnte.

    Anschließend wurde ich zu dem neuen Projektleiter zum Bewerberinterview gebeten. Ich erzählte meinen Werdegang ab dem Abitur, wobei ich mich fast verplappert hätte: "Nach dem Abitur ging ich anstelle ..." (stopp: das mit der Bundeswehr sagst du jetzt nicht!!!). Während des Gesprächs informierte mich der Projektleiter, dass er auch auf meiner Website gewesen ist und sich informiert hat. Auf welcher der beiden schoß mir durch meinen Kopf. Dann sprach er mich aber auf meine Computerschulungen an und ich plauderte munter weiter.

    Der letzte Test war eine Präsentation. Wir sollte neuen Call Center Agenten etwas über Kundenbindung erzählen. Und natürlich die beiden unvermeidlichen Fragen beantworten, warum wir uns auf diese Stelle beworben haben und weshalb wir glauben, dass gerade wir sie bekommen sollten. Da war ich sehr aufgeregt und war nach etwas mehr als 5 Minuten mit der Präsentation durch, obwohl sie eigentlich 15 Minuten dauern sollte.

    Um 18.45 Uhr waren die Tests beendet und das Prüfungsgremium zog sich zur Beratung zurück. Wir gingen draußen ein wenig spazieren und ließen unser davonfließendes Hirn wieder abkühlen.

    Um 19.30 Uhr begannen dann die Entscheidungen. Wir hatten kleine Zettel mit den Zahlen 1 bis 8 gemacht und zogen je eine Nummer und legten damit die Reihenfolge fest, in der wir in den Prüfungsausschuss gehen würden (ein Kollege wollte am Montag telefonisch über sein Abschneiden informiert werden). Ich zog die Nummer 1. Diesmal durfte ich mich vor dem Prüfungsausschuss setzen. Meine Selbsteinschätzung? Na ja, das Allgemeinwissen war wohl etwas über dem Durchschnitt, der Postkorb eher darunter, das Mitarbeitergespräch ganz ordentlich und die Präsentation naja. Der Vorsitzende meinte, das mit dem Allgemeinwissen sei sehr deutlich über dem Durchschnitt gewesen und es sei nicht zu vertreten, mich nicht zu nehmen. Doppelte Verneinungen nach 10 Stunden Prüfung und 30 Grad Lufttemperatur. Dennoch begriff ich, dass ich es geschafft hatte. Ohne eine Miene zu verziehen, ging ich in den Aufenthaltsraum zurück. Einer nach dem anderen kam an die Reihe. Als meine Kollegin freudestrahlend rauskam (sie hatte es auch geschafft - Frauenpower eben), sagte ich, dass ich auch bestanden hätte. Kommentar eines der beiden Vorgesetzten: Mir dir werde ich nie pokern. Um 20.05 Uhr verabschiedete ich mich, weil ich den letzten Bus schaffen mußte, um nicht 30 Minuten Umweg über den Hamburger Hauptbahnhof in Kauf nehmen zu müssen. Zu dem Zeitpunkt hatten die beiden Vorgesetzten, meine Kollegin und ich bestanden - von 6 Bewerbern.