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    Dienstag, 12. Mai 1998
     
     
     

    Heute morgen, als ich nach Hamburg zurückfahren wollte, fand meine Mutter meinen Vater blutüberströmt im Badezimmer liegen. Er hatte einen Blutsturz erlitten. Der von mir alarmierte Notarzt konnte leider nichts mehr ausrichten. Mein Vater war tot.

    Ich fühlte mich tagelang einfach leer, konnte nicht einmal trauern. Da ich 'Übung' in solchen Situationen hatte (ein Jahr zuvor war mein Schwiegervater gestorben), begann ich am nächsten Tag bereits, die Behörden- und sonstigen Angelegenheiten in die Hand zu nehmen. Das muß wohl so sein, ist sicher eine Art Schutzmechanismus der Seele, um schlimme Ereignisse nicht an sich heranzulassen.

    Erst nach vier Tagen, als die von uns angerufene Laienpredigerin zu Besuch war, um etwas aus dem Leben meines Vaters für die Trauerrede zu erfahren, überrannten mich plötzlich meine Gefühle - konnte ich doch eigentlich wirklich glücklich sein, daß ich mich im Jahr zuvor meinem Vater gegenüber offenbart hatte. Er war von mir gegangen, ohne daß noch etwas zwischen uns stand. Wir waren miteinander im reinen.