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    Samstag, 28. Juni 1997
     
     
     

    Nachdem meine Eltern und ich zu Abend gegessen hatten und noch eine Weile zusammen ferngesehen hatten, verabschiedete sich meine Mutter heute schon gegen 22.30 Uhr ins Bett.

    Mein Vater bot mir noch ein Bier an. Ich nahm es gerne an. Es war bereits mein zweites Bier. Nachdem ich einige Schluck zu mir genommen hatte, verspürte ich urplötzlich den Wunsch, mich meinem Vater mitzuteilen. Ich begann mit den Worten "Du, Vater, ich muß Dir was erzählen, was ich mich bisher nicht getraut hatte, weil ich Angst vor Deiner Reaktion hatte." Er reagierte zuerst ein bißchen beleidigt, weil er nicht begreifen konnte, daß man vor ihm Angst haben könne.

    Dann erzählte ich von meinen Empfinden, nicht ein Mann, sondern eine Frau zu sein. Ich berichtete ihm von meinen gescheiterten Versuchen, doch als Mann das Leben zu meistern. Von meiner Angst vor seiner Reaktion, weil er vor vielen Jahren bei einem Fernsehbericht über männliche Homosexuelle diese als widerliche Perverse tituliert hatte. Und von der Mitwisserschaft meiner Mutter seit nunmehr fast 10 Jahren und meinen vergeblichen Versuchen, schon früher das Gespräch mit ihm zu suchen. Ich erzählte wie ein Wasserfall, ohne jede Unterbrechung - so als fürchte ich noch immer seine Reaktion, die, sobald ich enden würde, nun unweigerlich kommen müßte. Unter vielen Tränen beendete ich nach fast 3 Stunden meine Beichte und vergrub mein Gesicht in einem Taschentuch.

    Doch dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Er nahm mich in den Arm und sagte zu mir, daß er stolz auf mich sei, weil ich trotz meiner Angst den Mut gefunden hatte, ihm das alles zu erzählen. Danach hatte er noch viele Fragen, die ich ihm nach Kräften beantwortete. Und gegen 3.30 Uhr fiel ich glücklich ins Bett.