Ich habe schlecht geschlafen. Die Anspannung vor dem heutigen Tag ließ auch nichts anderes erwarten. Die Seebestattung meiner Mutter stand an. Nach einem kurzen Frühstück und in "Schale geworfen" fuhren meine Frau und ich um 9.15 Uhr los. Eben noch beim Blumenladen vorbei, den Schwiegerpapa empfohlen hatte. Die Floristin, wenn man sie so nennen möchte, stutzte die Rose für meine Frau auf Handlänge herunter, während meine auf Grund meiner Intervention eine normale Länge bekam. Für Stück drei Euro waren die voll aufgeblühten Exemplare aber eindeutig zu teuer. Wir packten sie auf die Rückbank und machten uns auf den Weg nach Norddeich. Zwischen Delmenhorst und Oldenburg meinte ich zu meiner Frau, daß wir gleich meinen Bruder überholen würden. SIe guckte erstaunt, fährt er doch einen Sportwagen und könnte mit dem richtig Gas geben. Aber schnell hatten wir den vor sich hintuckernden Wagen überholt und sahen ihn auch erst in Norddeich wieder. Ab Autobahnende bei Leer schlichen wir immer wieder hinter verrenteten Autofahrern aus Düsseldorf hinterher (hatten die ausgerechnet heute Ausgang?) In Norddeich angekommen fuhren wir etwas zu weit, aber die Handwerker im nahe gelegenen Restaurant waren da sehr hilfsbereit, uns den Weg zur MS Aegir zu weisen. Dort parkten wir neben dem Auto meines Bruders und warteten. Als er und seine Lebensgefährtin von einem Spaziergang zurückkehrten, stiegen wir auch aus und ging mit zum Schiff. Dort war man erstaunt, dass wir nur 4 Personen waren (erwartet worden waren 8). Der Kapitän meinte, dann können wir ja gleich auslaufen. Der Kapitän, ein ruhiger und umgänglicher Mensch, kam immer mal wieder zu uns nach hinten, um zu fragen, ob es uns gut gehe. Außer der Lebensgefährtin, die etwas Angst um sich und das Schiff hatte, fühlten wir uns bei belegten Broten und Kaffee wohl. Das beauftragte Bestattungsunternehmen hatte - entgegen der Anweisung - nicht weitergeleitet, wo genau die Bestattung stattfinden sollte. Aber mein Bruder erinnerte sich mit Hilfe des Kapitäns an den Namen des Seegebietes und der setzte Kurs auf Schluchter (zwischen Juist und Norderney außerhalb des Inselgürtels). Anfangs war nicht klar, ob der Wellengang dort eine Beisetzung zulassen würde, aber vor Ort war das Schaukeln erträglich. Wir gingen nach draußen zum Heck. Der Kapitän hielt eine kurze, religiös angehauchte Rede und ließ dann die mit einem Blumenkranz geschmückte Urne zu Wasser. Wir warfen unsere Blumen hinterher, zwei rote und zwei weiße Rosen. Dann schlug er 4 Glasen. Mir wurde schlagartig bewußt, daß nach dem Abschied von der Seele vor Monaten nun auch der Rest, die sterblichen Überreste, für immer entschwand. Tränen liefen die Wangen hinunter. Meine Frau, die neben mir stand, tröstete mich. Nach der Ehrenrunde um die Blumen ertönte 4 x das Schiffshorn, die Heckflagge wurde von Halb- auf Vollmast gesetzt und wir fuhren zurück zum Hafen. Drinnen der gleiche Smalltalk wie auf der Hinfahrt. Um 14.10 Uhr erreichten wir wieder die Kaimauer. Wir verabschiedeten uns und gingen von Bord. Auf dem Parkplatz sprach ich meinen Bruder noch auf einige fehlende Informationen an, die ich für den Notar brauchte, damit der die Gerichtskosten für die Testamentseröffnung berechnen lassen konnte. Bei meinem Bruder fiel sofort sichtbar die Klappe. Er habe beim Amtsgericht angerufen, die Testamentseröffnung sei bereits geregelt. Ähem, ja. Er nahm den Fragebogen mit und verabschiedeten uns. Wir überholten ihn kurz hinter Leer und fuhren zum Katzenhospiz "Muffin & friends" in der Nähe vom Zwischenahner Meer. Wir wurden wie Freunde empfangen, sowohl von der Mama als auch den vielen Katzen und den drei Hunden. Der eine Hund nervte ein wenig, weil er immer auf den Schoß und uns abschlabbern wollte. Und die Katzen kamen nach anfänglicher Scheu zu uns und genossen, gestreichelt und gekrault zu werden. Es war einfach toll, dort zu sein und wir haben viel gelacht.
Ich suchte mir mit Suki eine Patenkatze aus, die meiner Eila in gewisser Weise ähnelte. Auch sie sah geschoren aus. Aber bei Suki fiel immer wieder Fell aus und sie war deutlich schüchterner als Eila. Ich hoffe, daß die Patenschaft lange andauern wird. Wir durften am Grillabend teilnehmen und fuhren - es war inzwischen draußen dunkel geworden - um 21 Uhr wieder zurück. Um 22.45 Uhr erreichten wir unser Zuhause und ließen unsere Katzen an den vielen unbekannten mitgebrachten Gerüchen teilhaben.
Der Tag war überstanden, die Anspannung von mir gewichen und die Müdigkeit garantierte uns einen erholsamen Schlaf.
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