Nach 5 Wochen des Ausschleichens beende ich heute mit der letzten Einnahme die Hormontherapie. Die Auswirkungen der langsam sinkenden Dosen habe ich schon vor Wochen bemerkt: Der Geruch beim Wasserlassen ist wieder stechender und unangenehmer geworden (so ähnlich wie in manchen Häusernischen, in denen die Herren der Schöpfung in fast exhibitionistischer, aufrechter Haltung ihre Duftmarken hinterlassen haben). Damit ist meine Entwicklung hin zur Frau gestoppt. Jetzt kann ich in Ruhe meinen Platz in der von "Mann" und "Frau" bestimmten Gesellschaft suchen, so wie ich es wollte. Wenn nur die Trauerarbeit nicht wäre, die, wie mir mein Psychiater bereits angekündigt hatte, mich wohl noch lange begleiten würde. Was mit der Trauer über den Abschied von einer Geschlechtsangleichung begonnen hatte, entwickelt sich immer mehr dahin, daß mich die Nachrichten von "Schwestern", die sich um einen Op-Termin bemühen oder bereits einen weiblichen Körper ihr eigen nennen können, jedesmal traurig stimmen. In mir ist eine tiefe Sehnsucht, die Operation machen zu lassen und der Schmerz, daß dies nicht passieren wird, weil mein Verstand mir sagt, daß ich dadurch im täglichen, öffentlichen Leben kein bißchen mehr Anerkennung als Frau bekommen werde. Ist das wirklich noch Trauerarbeit? Ich werde beim nächsten Gesprächstermin unbedingt darüber reden müssen.
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