Nächsten Donnerstag habe ich meinen Gesprächstermin zur gaOp. Vielleicht sollte ich besser sagen: hätte ich den Termin. Denn in meiner jetzigen Situation der selbstverordneten Stagnation kann ich ihn nicht wahrnehmen. Deshalb mußte ich heute in der Urologie in Essen anrufen und den Termin absagen. Dort, wo ich mir den Termin hatte geben lassen, war man für mich nicht zuständig. Ich möge doch bitte in der Aufnahme anrufen. Dort bedauerte man meine Entscheidung und verkündete mir, daß ich so schnell keinen neuen Termin bekommen könne. Ich erklärte, daß ich aufgrund meiner derzeitigen Situation keinen neuen Termin möchte. Nachdem ich den Telefonhörer aufgelegt hatte, fühlte ich eine Anspannung weichen. Ich hatte es hinter mich gebracht. Doch je weiter der Nachmittag voranschritt, um so mehr verfinsterte sich meine Miene. Ich wurde abgrundtief traurig, einfach nur traurig. Ich hatte etwas, daß ich mir doch wirklich gewünscht hatte, ausgeschlagen. Ich war in einer so schlechten Verfassung, daß ich etwas tat, was ich noch nicht gemacht hatte. Ich ging im Büro an den Kühlschrank und goß mir einen doppelten Ouzo ein. Als ich beim nächsten Termin bei meinem Psychiater ansprach, daß ich wohl noch nie so weit unten war wie an diesem Nachmittag, meinte er zu mir, daß ich Trauer erlebt hätte. Trauer über den Abbruch meiner Entwicklung, die ich 20 Jahre erleben durfte. Und diese Trauerarbeit würde sicher mit diesem Nachmittag noch nicht abgeschlossen sein.
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