Nach dem Endokrinologen gestern lag nun heute gleich der nächste Arzttermin an: Die Vorstellung beim potentiellen Zweitgutachter. Ich hatte um 9.15 Uhr einen Termin bei Dr. Lietz in Harburg. Ich war aber schon um 9 Uhr da, da ich Harburg so gut wie gar nicht kenne und natürlich nicht zu spät komme wollte. Die Sprechstundenhilfe zeigte sich gleich ziemlich kratzbürstig: Ich solle beim nächsten Mal auf die richtige Bezeichnung der Fachrichtung achten. Herr Lietz sei kein Psychotherapeut, sondern ein Psychiater. Ich entschuldigte mich, daß ich das nicht gewußt hätte. Keine Reaktion. Ich nahm im Wartezimmer Platz. Wäre nicht diese illustre Runde an Patienten gewesen, ich glaube, ich wäre bis zu meinem Aufruf um 10 Uhr eingeschlafen. Da war ein Herr links von mir, der meiner Nachbarin versicherte, daß er sie nicht anstiere, sondern nur einen schiefen Kopf habe. Außerdem stand er alle 5 Minuten auf, um sein Hemd in die Hose zu stopfen. Mein Hinsetzen schnellte dann immer sein linker Fuß nach vorne.
Da waren Mutter und Tochter. Die Tochter wollte eben noch einen Kaffee trinken, bevor sie aufgerufen werde. Sie kam nach 20 Minuten wieder, hatte noch einen Einkaufsbummel gemacht und bei Douglas eine Handmassage machen lassen. Als sie wiederkam, hatte sie dann gar keine Lust mehr, noch weiter zu warten.
Und dann kam noch eine Dreiergruppe, vermutlich Russlanddeutsche. Einer der Männer unterhielt während der ganzen Wartezeit nicht nur die beiden anderen, sondern das ganze Wartezimmer.
Irgendwie war ich ziemlich bedient, als ich endlich aufgerufen wurde. Der Arzt war im Gegensatz zu seiner Angestellten sehr nett und freundlich. Er hatte bereits mehrere Jahre im UKE gearbeitet und dabei viel mit Dr. Preuß zusammengemacht. Daher brauchte ich kaum noch etwas zu erklären. Er signalisierte seine Bereitschaft, mich zu begutachten. Nur dürfe ich bei ihm keine Behandlungsmaßnahmen erwarten. Wollte ich ja auch nicht. Nach gut 5 Minuten war ich wieder draußen. Ich hatte beide Gutachter beisammen. Gleich am Nachmittag warf ich den Brief mit dem Antrag auf Vornamensänderung in den Briefkasten. Es geht voran!
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