Mit ziemlichem Lampenfieber bin ich heute zum Kunden gefahren. Ich war auch etwas früher losgefahren, denn es erschein mir einfacher, daß die Mitarbeiter mich begrüßen, statt daß ich sie begrüße. Als ich ankam, war es auch noch recht leer. Ich begab mich also schnurstraks an meinen Arbeitsplatz und startete meinen Rechner. Ich fand zwei neue Mails in meinem Postfach, die vom Freitag und von Mitarbeiterinnen stammten. Neugierig begann ich zu lesen: An: xxx Knorr/rz/i-m/de@i-m Kopie: Thema: Alle Achtung...
Hallo Beatrice,
wollte Dir nur sagen, daß ich diesen Schritt bewundernswert finde. Es gehört ne Menge Mut und Kraft dazu - Hut ab! Würde mich gerne mal, bei Gelegenheit, mehr mit Dir darüber unterhalten.
Gruß K.
An: xxx
Knorr/rz/i-m/de@i-m Kopie: Thema:
Hallo Frau Knorr, ich finde es sehr mutig und bewundernswert, dass Sie sich zu diesem Schritt entschieden haben. Sicherlich werden Sie sehr viel Kraft und Geduld brauchen, die ich Ihnen von ganzem Herzen wünsche. Das Angebot für ein persönliches Gespräch nehme ich bei Gelegenheit gerne an. Es ist für mich selbstverständlich, dass dies auch im umgekehrten Fall gilt.
Viele
Grüsse G. Ich hatte es also vollbracht. Und ich war überglücklich. Die panischen Gefühle waren weg und ich hatte den Eindruck, endlich eins mit mir geworden zu sein. An diesem Tag folgten noch einige persönliche Gespräche in aufgelockerter Atmosphäre - überwiegend mit Frauen. Männer haben wohl zuviel Angst vor einem Gespräch mit jemandem, der sich gerade geoutet hat. Und seitdem war ich auch viel besser integriert in dem Unternehmen.
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