Als wir nach dem Aufstehen die Balkontür öffneten, machten wir sie gleich wieder zu, denn uns empfing ein kühler, starker Wind. Spontan entschied ich mich, heute nicht baden zu gehen. Da wir wegen des Jetlags recht früh wach waren, nutzten wir die Zeit bis zum Empfang durch die TUI-Beauftragte des Hotels um 9 Uhr für ein schnelles Frühstück. Die Dame von der TUI, bei der ich einen Stuttgarter Dialekt heraus zu hören glaubte, erklärte uns die Restaurants des Hotel und warb für die von TUI veranstalteten Exkursionen. Anschließend konnten wir noch unsere Beschwerden über die (mangelhafte) Verpflegung und das Terrorbaby auf dem Flug sowie über das Fehlen unseres Last-Checkout loswerden und haben kund getan, eine Individualtour machen zu wollen. Sie bat uns, uns Gedanken über die Ausflugsziele bis zum Wiedersehen um 17 Uhr zu machen. Danach gingen wir an den Strand, bis der Wind uns vertrieb und dann auf unser Zimmer und schliefen eine Runde. Um 14 Uhr wollten wir was futtern gehen. Auf dem Weg zum "Guacamole"-Restaurant sahen wir eine junge Frau, die vor einem Kätzchen stand, das zusammen gekauert auf dem Rasen saß. Mercedes, so hieß die junge Frau, die aus Argentinien hier im Urlaub war, berichtete, daß die Katze vor 2 Jahren noch umher lief. Jetzt bot sich uns ein jämmerliches Bild. Die Augen vereitert und den Schwanz eng am Körper, wirkte das Tier krank und leidend. Mercedes hatte einen der Gärtner angesprochen, der sie aber abgewiesen hatte. Isabel und ich beschlossen, etwas zu unternehmen. Ich ging zur Rezeption, schilderte die Situation und fragte nach einem Veterinär im Ort und einem Transport-Behältnis. Die freundliche Dame an der Rezeption telefonierte länger und gab mir dann die Adresse von einer Tierpflegestelle und einen oben offenen Karton. Wieder zurück beim kranken Patienten ging Isabel zu unserem Zimmer und kam mit einem Duschhandtuch und meiner Kreditkarte wieder. Während ihrer Abwesenheit sprach mich eine Amerikanerin auf die Katze an. Ich schilderte, was wir vorhatten. Sie klopfte anerkennend auf meine Schulter. Isabel versuchte das Tier mit dem Handtuch einzufangen. Es entwischte ihr mit einem Biß und Kratzen. Plötzlich war die Katze doch noch recht mobil, was mich hoffen ließ. Dann nahm ich das Handtuch, näherte mich ihr vorsichtig von hinten, bückte mich und schnappte sie. Die Gegenwehr war nur kurz. Dann ließ sie sich in den Karton setzen, wo sie zunehmend ruhiger wurde - wohl auch, weil sie komplett unter dem Handtuch versteckt war. Ich trug sie mit Isabel, deren Bißspuren bluteten, zur Rezeption. Isabel holte mit meiner Karte Pesos aus dem Automaten und dann ließen wir am Eingang ein Taxi vorfahren. Der Taxifahrer sagte, er wisse, wo die Adresse auf dem Zettel sei. Aber hinter der Nationalstraße wurden seine Blicke dann immer Hilfe suchender. Gemeinsam hielten wir nach einer der beiden Straßen Ausschau, an deren Kreuzung der Veterinär sein sollte. Immer wenn ich ein Straßenschild sah, nannte ich ihm die Straße und so kamen wir dem Ziel näher, bis Isabel plötzlich rief, daß wir da sind, weil sie einen Transporter des Veterinärs entdeckt hatte. Wir wurden bereits erwartet und konnten den Patienten sofort in ein Behandlungszimmer bringen. Die Ärztin entfernte vorsichtig das Handtuch und die Katze ergriff sofort die Flucht auf eine Ablagefläche. Wir schlossen die Tür. Zusammen mit einer Helferin wurde das Tier fixiert und Blut für einen Schnelltest auf FiV und Leukose entnommen. Nach 10 Minuten dann das niederschmetternde Ergebnis: Das Tier, ein Kater von ca. 5 Jahren, war FiV positiv (Katzen-Aids). Auf Grund des schlechten Gesamtzustandes und einer Lebenserwartung von einigen Tagen beschlossen wir gemeinsam, den Kater über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen. Er bekam eine Narkose, wir verabschieden uns mit einer Träne von dem armen Tier und bei der zweiten Spritze blieb dann sein Herz stehen. Er wurde ins Handtuch eingewickelt weggebracht. Die Tierärztin dankte uns für unser Engagement und wir ihr für die Hilfe. Isabel bekam noch einen in Jod getränkten Tupfer für die Bißwunde. Dann zahlten wir (nur die Untersuchung war kostenlos) und fuhren mit dem Taxi - der Fahrer hatte auf uns gewartet, weil es in der Vorstadt keine Taxis gibt - zurück zum Hotel. Dort meldeten wir den Verlust eines Duschhandtuches und warteten auf die Dame von der TUI. Wir gaben unsere Wünsche für eine Individualtour an, berichteten, was uns wiederfahren war und fragten nach dem nächsten Arzt. Der war im Nachbarhotel gleich an der Toreinfahrt. Wir gingen dort hin. Er empfahl Isabel eine gründliche Reinigung der Wunde mit Seife und Wasser. Sollte die Wunde anschwellen, sollten wir am nächsten Tag wieder kommen. Danach ruhten wir uns auf dem Balkon unseres Zimmers etwas aus und gingen dann ins Guacamole-Steakhouse. Das Steak New York bestand zur Hälfte aus Sehnen und Knorpeln - passend zum ganzen Tag. Ein Urlaubstag zum Vergessen.
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