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    Dienstag, 19. August 1986
     
     
    Ein verrückter Tag
     

    Allein, wie er schon beginnt. Etwas müde nach einer zu kurzen Nacht klingel' ich - wie üblich - um 9 Uhr zur Arbeitsgemeinschaft an der Tür. Zuerst passierte nichts. Doch dann kamen Schritte die Treppe herauf und kurz darauf beichtete Angela, daß sie ihren Wohnungsschlüssel in Salzhausen hat liegen lassen.

    Wir beschlossen, die Arbeitsgemeinschaft zu mir hin zu verlegen, wenn Ute und Christiane kämen; Katrein fiel sowieso wegen Krankheit aus. Christiane kam denn auch bald und erzählte, daß Ute am Vorabend "etwas" abgestürzt sei. So sah Ute auch aus, als sie endlich kam.

    Wir fuhrend zu mir mit zwei Wagen. Angela war überrascht, daß es auch sowas wie Gegenverkehr gibt. Aber zum Glück haben andere Autofahrer aufgepaßt.

    In Kiwittsmoor frühstückten wir zunächst mit viel Kaffee und Brötchen; dann fotokopierten wir uns gegenseitig unsere Ausarbeitungen; schließlich spielten wir "Schiffe versenken". So gegen 13 Uhr brachten Ute und Christiane mich nach Fuhlsbüttel zum Flughafen und winkten noch kräftig. Im Flugzeug, das aus Amsterdam kam, merkte ich sofort, daß ews nach Finnland ging: Es wurde nur noch finnisch gesprochen und schräg hinter mir lag über zwei Sitze ein tiefblauer Mann. Am Stop-Point wurde er von den Stewardessen aufgerichtet und festgeschnallt.

    Un ab ging's. Ein kurzer Blick auf Langenhorn und Norderstedt und dann durch die Wolken zur Sonne und zur Freiheit. Dann wurde ich längere Zeit mit einem warmen Essen beschäftigt. Meine Nachbarin war gerade bei einem Campari (weil mein Geld oben im Fach lag, hatte ich mich nicht getraut, den - kostenlosen - Alolo-Service in Anspruch zu nehmen), als die Wolken den Blick auf die mittlere Ostsee freigaben.

    Landung in Vantaa. Ohne Probleme durch den Zoll und die Paßkontrolle (Geschäftsreise? - Nein, privat, 8 Tage) und in den Finnair-Bus. Dort half mir eine Frau mit einer Übersetzung englisch-finnisch aus und erforschte dann auf deutsch eine Gesinnung. Ich sah hinaus und wußte: Ich bin in Finnland, meinem Finnland.

    Marjukka empfing mich zuhause freundlich, fast herzlich und begann sofort, von Annette zu berichten.

    Im Juli war dieser Japaner mit dem unaussprechlichen Namen aus Amerika zu Besuch. Und Annette, die noch vor einigen Wochen von mir wissen wollte, wie man Männer heiß macht hatte mit ihm geschlafen und war prompt schwanger geworden. Für Annette, die ihre Probleme ohnehin für die größten hält, war das natürlich zuviel. Sie lief zum Ärztezentrum, holte sich dort das erste Attest für eine Abtreibung (ca. FMK 600,-) und sollte am Montag, dem 25.8. das zweite Attest bekommen.